Kinder pflanzen zweite Obstbaumallee

Brückrachdorf. Sein Vater hat bereits Äpfel verarbeitet, da wurde Thomas Härtel die Begeisterung für Obstbäume quasi in die Wiege gelegt. Mit dem Verein zur Förderung der kulturellen Belange in Brückrachdorf hat er vor Kurzem bereits die zweite Obstbaumallee und einen kleinen Naschgarten mit Grundschulkindern angelegt. Als Nächstes plant der Verein ein Gebäude.

Vor rund 20 Jahren fing alles an mit einer Obstbaumwiese der Gemeinde mit rund 30 Bäumen, erzählt Härtel. Die alten Sorten wie rheinische Winterrambur (Apfel), Gräfin von Paris (Birne), Knorpelkirsche und Hauszwetschge brachte er wieder in Form, und daraus entwickelten sich Schnittkurse. So wuchs ein Kreis von Menschen, die sich damit auskennen. Weil Härtel zudem ein leidenschaftlicher Wanderer ist, überlegte er vor fünf Jahren: „In dieser Landschaft müssen mehr Obstbäume stehen.“ Und so entstand mit dem Förderverein die erste Obstbaumallee von Brückrachdorf in Richtung Reithalle. Bürger aus dem Dorf halfen über Patenschaften mit und packten beim Ausheben der Pflanzgruben mit an, erzählt Härtel. Absolute Pflicht war zudem das Einlegen eines engmaschiger Kaninchendrahts gegen Wühlmäuse.

Seine nächste Idee war, mit seiner Begeisterung für Obstbäume Kinder anzustecken und seine Aktion in Richtung Dierdorfer Schulzentrum auszubauen. Also nahm er vor Weihnachten Kontakt mit der Gutenberg-Grundschule auf. „Jedes Jahr im Frühjahr gibt der Kreis kostenlos Obstbäume aus“, berichtet Härtel. 17 hat er bekommen. Mit 12 von ihnen pflanzte er mit Schülern aus der ersten Klasse und ihren Eltern die zweite Obstbaumallee quer zum Schulweg in Richtung Hauptstraße.

„Sogar die Kinder aus den ländlichen Regionen glauben heutzutage oft, dass die Lebensmittel einfach aus dem Regal im Supermarkt kommen“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Michael Mahlert beim Fototermin. Die Schulen hätten die Aufgabe, die Prozesse in der Natur für die Kinder erlebbar zu machen. „Dieser Ort bietet den Kindern die Möglichkeit im direkten Kontakt mit der Natur und von ihr zu lernen“, lobte Mahlert. Auch Stadtbürgermeister Thomas Vis und Ortsvorsteher Thomas Kreten freuten sich über das Engagement des Fördervereins. Der Ortsmittelpunkt in Brückrachdorf werde so attraktiver.

Weil Kinder aber gerne schnell ein Ergebnis ihrer Arbeit sehen und Obstbäume so richtig erst nach sieben bis acht Jahren tragen, musste eine zweite Aktion her. Härtel legte mit den Jungen und Mädchen auf der Wiese an der Bushaltestelle einen Naschgarten an unter anderem mit Johannisbeeren und Heidelbeeren, Thymian, Salbei und Rosmarin. Dort stehen jetzt zudem drei weitere Obstbäume. Die Pflege übernehmen Eltern mit ihren Kindern, die an dem Platz wohnen, und die Kinder freuen sich bereits jetzt auf die Früchte, die sie ernten können, wenn sie auf den Bus warten. Ina Heidelbach, Umweltreferentin bei der Kreisverwaltung Neuwied, hofft darauf, dass die Kinder dabei nicht nur etwas über gesunde Ernährung lernen, sondern auch etwas mit nach Hause nehmen und dort mit ihren Eltern einen Streuobstbaum oder einen Beerenstrauch pflanzen.

Härtel und der Förderverein planen jetzt, am Kreuzungspunkt der beiden Obstbaumalleen, an dem der überregionale Kölner Wanderweg entlangläuft, und in Sichtweite der Obstbaumwiese ein Gebäude zu errichten. Die genaue Ausgestaltung steht noch nicht fest, vielleicht wird es nur ein Unterstand. Genutzt werden soll er als außerschulischer Lernort mit Infotafeln zu Insekten und Obstbäumen, mit Nistkästen, Insektenhotels und einer Bank. Härtel ist zudem Imker, er kann sich gut vorstellen, mit seinen Kollegen dort Bienenkästen aufzustellen. „Es soll etwas entstehen, das Kinder anspricht und ein Naturerlebnis bieten kann“, beschreibt er seine Idee. Eine Genehmigung dafür hat der Förderverein bereits in Aussicht, für die Finanzierung setzt er auf eine Leader-Förderung.

Auf der Streuobstwiese gibt es in diesem Jahr übrigens viel zu naschen. „Es ist ein absolutes Fruchtjahr“, sagt Härtel. „Wir werden eine Jahrhunderternte bekommen.“ Mit seiner eigenen Mini-Kelterei verarbeitet er die Früchte.

Quelle: RZ Kreis Neuwied vom Donnerstag, 17. Mai 2018, Seite 14